Heute morgen empfing mich mein Computer mit zwei Terminerinnerungen. Erstens: Heute Gründonnerstag (ganztätig). Zweitens: Meiner englische Gastmutter hat heute Geburtstag. Letzteres muss ich wohl irgendwann einmal in meinen gmx-Geburtstagskalender eingetragen haben, kann mich jedoch nicht entsinnen, einer derartige Benachrichtigung auch die letzten Jahre erhalten zu haben. Die Aufgaben dieses Tages (nach knapp vier Wochen Freistellung arbeite seit heute auch ich im Home Office) spülten die Information ohnehin schon kurze Zeit später wieder aus meinem Bewusstsein. Erst eben gerade, als ich mit dem Hund draußen war, fiel es mir wieder ein und brachte mich zum Nachdenken. 51 wird sie heute, denn 41 wurde sie, als ich gerade dort war. Zehn Jahre ist das her.
"Schon zehn Jahre!", bin ich versucht zu sagen und ich glaube, mein Eindruck rührt vor allem daher, dass ich mich noch so gut daran erinnere, wie ich in der siebten, achten Klasse anfing, Kataloge von Austauschorganisationen zu sammeln. Die Zeit, bis ich endlich alt genug wäre, schien mir damals unvorstellbar lang. Und doch gab es diesen einen Augenblick, etwa anderthalb Jahre, bevor es dann tatsächlich losging, in dem ich wie in einer plötzlichen Eingebung mit einem Mal mein älteres Ich vor mir sah, das nach Ende des Jahres wieder in Berlin aus dem Flugzeug stieg. So wird es kommen, dachte ich mir damals. Was eben noch Zukunft war, wird plötzlich zur Vergangenheit - die herbeigesehnte Zeit kommt und ist gleichzeitig schon wieder im Begriff zu verschwinden.
Gleichzeitig erinnere ich mich, wie endlos sich viele Tage in diesen kurzen letzten zehn Jahren - ungefähr 3658 müssten es gewesen sein - für sich genommen anfühlten. Wie langsam die Zeit zu vergehen schien, wie ich den Eindruck hatte, vor lauter Stillstand zu ersticken.
Und nun muss ich aufpassen, dass ich die Kurve kriege und mein ursprünglicher Gedanke nicht abhanden kommt. Denn was ich eigentlich (für mein zukünftiges Ich und wer auch immer es sonst noch gebrauchen kann) festhalten wollte, war dies: Ein Tag ist nur ein Tag. Letztlich aber braucht es die Wiederholung, das Tag für Tag, um Veränderung nicht nur möglich, sondern auch sichtbar werden zu lassen. Dass Veränderungen im vergangenen Jahrzehnt auch dann stattgefunden haben, wenn es sich für mich kein bisschen danach anfühlte, hat vielleicht damit zu tun, dass sie manchmal mehr um mich herum, als in mir vonstatten gingen. Vielleicht sieht man die Gegenwart nicht, vielleicht ist sie nicht viel mehr als der Moment, aus dem man auf Gewesenes und Kommendes blickt. Vielleicht braucht es die Ankunft, um den Weg erkennen zu können.


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